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| Alexander Honold | Was aber die Bedeutung des Gantenbein-Romans für Ingeborg Bachmann anbelangt, verhält es sich keineswegs so (wie von einigen Rezensionen als Entlastungsbefund judiziert), dass nach der Auswertung des Briefwechsels das Bild einer einseitigen literatrischen Ausbeutung des Liebesverhältnisses durch den indiskreten Max Frisch, die zu einer nachhaltigen Traumatisierung Ingeborg Bachmanns geführt habe, vollständig zu revidieren wäre. Ganz im Gegenteil lässt sich die ungeheure Wucht, mit welcher Frischs Gantenbein Ingeborg Bachmann traf, auf Basis dieser Dokumente sogar noch viel eindrücklicher nachvollziehen. Die 'Bruchstelle', auf welche die belastete Verständigung über das Romantyposkript zwischen dem in Trennung lebenden Paar zulief, lag indes weder in einzelnen Beanstandungen noch in deren Summe. Was den Weg der Buchpublikation und das dazu gegenläufige Zerreißen des Beziehungsnetzes unglücklich und mit fatalen Folgen ineinander verkettete, war genau diese negative Koinzidenz zweier Entwicklungslinien eines simultanten Zeitablaufs. Während Bachmann Ende April 1963 ihren ausführlichen «Brief zu dem Buch« in Aussicht stellt, teilt Max Frisch (...) endlich seiner Mutter, die zu Ingeborg Bachmann ein herzliches Verhältnis geknüpft hatte, aus seiner Sicht das Faktum mit, «dass wir uns haben trennen müssen". In diesem Manöver sieht Bachmann, über die Maßen niedergeschmettert, «indirekt» auch eine verspätete «Antwort an mich, auf die sich siebeneinhalb Monate lang gewartet habe». Ein Rückweg war nun endgültig ausgeschlossen. In ihrem Briefkommentar (...) beanstandet Ingeborg Bachmann eine Reihe von Charakteristika, Eigenschaften und Handlungen der Figur Lila - beispielsweise das Lieblingsgetränk Bloody Mary, die Gepflogenheiten des Schachspiels, eine Episode mit einem umgeworfenen Gartenstuhl -, die nach Auffassung Bachmanns «wie ein Wegweiser» auf ihre Person deuten und sie der literarischen Öffentlichkeit gegenüber als lebensechtes Modell der weiblichen Protagonistin bloßstellen. «Alles, was vom August an geschehen ist, bezw. vom 19. September an [...] und was mich betrifft, bitte und verlange ich ausdrücklich, nicht anzutasten." Sich derart advokatorisch und geschäftsmäßig zu äußern, war bis dato in mancherlei Situationen eher Max Frisch vorbehalten gewesen. [2] |
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| Liebeslinien |
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| Ingeborg Bachmann in ihren Literaturbeziehungen mit Paul Celan und Max Frisch |
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| Schwabe Verlag | ||||
| Basel, Schweiz 2026 | ||||
| 303 Seiten | ||||
| ISBN 978-3-7965-5494-0 | ||||
| Buchbesprechungen: | ||||
| Information zu dieser Seite: | Zeichenerklärung: |
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| [1] | Aus dem 10. Kapitel: Prismatische Männlichkeit. Max Frisch, Mein Name sei Gantenbein und Montauk: | |
| Lilas abgeblendete Teilhaberschaft, in: Alexander Honold: Liebeslinien. Ingeborg Bachmann in ihren Literaturbeziehungen mit | ||
| Paul Celan und Max Frisch. Schwabe Verlag, Basel/Schweiz 2026, S. 212-217. | ||
| [2] | IB an MF, 03.05.1962, zitiert aus: |
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| Briefwechsel Ingeborg Bachmann - Max Frisch: »Wir haben es nicht gut gemacht«. Piper Verlag München, Berlin, Zürich & Suhrkamp Verlag Berlin 2022, S.460. |
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| Ich danke dem Autor sowie dem © Schwabe Verlag Basel Berlin für die freundliche Genehmigung zur Publikation. | ||
| © Ricarda Berg, erstellt:
Juni 2006, letzte Änderung: 24.04.2026 http://www.ingeborg-bachmann-forum.de - E-Mail: Ricarda Berg |
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